Kampf und Gewalt im Rollenspiel

In unserer Midgard-Runde war es bisher immer so, dass wir Kämpfe versucht haben zu vermeiden; oder daß wenn wir schon kämpfen mussten, möglichst Tote vermieden. Das Midgard-Regelwerk mit seiner Ausdauerpunkte-Regelung macht das ja auch möglich, ergeben sich doch die meisten intelligenten Wesen Midgard meist, wenn sie wehrlos sind.

Nun haben wir vor einiger Zeit das Abenteuer „Klingensucher“ der für Einsteiger gedachten Runenklingen-Kampagne begonnen. Dabei geht es darum, ein Buch aus einer alten verlassenen Zwergenbinge herauszuholen. Dummerweise wird die Binge doch wieder bewohnt, nämlich von Orks.

Wir hatten nun die Möglichkeit, den Haupteingang zu stürmen, der schwer bewacht war; oder den schwach bewachten Nebeneingang zu wählen. Wir entschieden uns für Möglichkeit zwei, deren Wächter wir in mehreren Angriffen ausschalteten um dann einzudringen. Durch eine Unachtsamkeit wurden wir von einigen Orks überrascht, einem Schamanen und mehreren Orkkindern.

Danach waren wir schwer angeschlagen und brauchten mehrere Midgard-Tage Pause, was zeitgleich mit dem Ende des Spieltages geschah.

In der Folge tauchte dann die Diskussion auf, die zum Anlass dieses Beitrages wurde, nämlich dass Rubino meinte, er lehne eigentlich Abenteuer und Pläne ab, die einen Angriff auf Gegner zur Bedingung haben, mit dem Ziel, diese zu töten, zumal hier auch noch Kinder im Spiel waren. Außerdem werden hier die Orks als Schlachtvieh genutzt.

Nun vermischt hier der Spieler seine persönliche Meinung und die des Charakters. Deshalb wollte er auch aus beiden Gründen am liebsten das Abenteuer abbrechen.

Hier treten dann Unterschiede in der Sichtweise der Spieler Christoph und Rubino auf. Denn ich unterscheide durchaus zwischen Spielermeinung und Charaktermeinung. Bin ich auch ein friedliebender Mensch, sind es meine Charaktere nicht unbedingt. Beim Charakter kommt es auf den Hintergrund des selbigen an. Und jemand, der in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der Orks eine Landplage sind, die die Menschen überfallen, töten und ausplündern; und Oger Menschen verschleppen und zum Dinner zu sich nehmen, dann ist es für den Charakter normal, daß diese Wesen auf Sicht getötet gehören und ein Kopfgeld ausgesetzt ist.

Ein Charakter hingegen, der aus einer Kultur stammt wie Aengus, der seiner druidischen Weltsicht heraus auch Orks als Kinder Nathirs sieht, die ebenso eine Platz auf Midgard haben wie Menschen, Zwerge und Elfen, sieht das natürlich ganz anders. Da mag es zwar eine Verteidigung gegen Orks geben, wenn diese irgendwo angreifen, aber es gibt zumindest keinen Angrifskrieg oder Kopfgelder.

Ein Charakter gar, der aus einem Land kommt, das weit von Orks entfernt ist, kennt natürlich diese Probleme gar nicht und mag das ganze wiederum anders sehen.

Unsere Gruppe konnte sich auf den friedlichen Weg einigen und hat das Gros der Orks umgangen, auch weil wir einen kurzen, direkten Weg zum gesuchten Buch gefunden  haben, aber in einer anderen Gruppe hätte das sicherlich zu tieferen Diskussionen geführt.  Aber solche unterschiedlichen Einstellungen der Charaktere gehören zum Spiel dazu. Wichtig ist nur, dass man die Basis zum gemeinsamen reisen behalt, und nicht auf die Schiene „Mein Charakter würde das niemals tun“ die Gruppe zerreisst.

Ich hoffe, Rubino, ich habe deine Einstellung ungefähr getroffen und meine Einstellung gut genug erklärt.

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